Sähe Neil Hickethier so aus, wie seine Musik klingt, wäre er ein schwarzer, 1,90 großer Sixties-Motown-Sänger mit einer siebziger Schweinerock-Langhaarfrisette in einer australischen Schuluniform. Und obwohl das nach Verkleidungskiste, Culture-Clash und Chaos klingt, ist seine Musik geradlinig und bodenständig wie Currywurst oder Fischbrötchen. Was nicht zusammen gehört, kommt hier zusammen. Der Wahlhamburger Hickethier ist vordergründig und weise, platt und mit Tiefgang zugleich. Er kuschelt sich an und bringt dir Frühstück ans Bett, um dich anschließend mit einem fetten Arschtritt in deinen Tag zu schicken. Ein gänzlich souveräner Träumer und mitfühlender Schläger. Ein Raubein mit Ladyshaver und einem klugen Kopf voller dummer Ideen. Bis es ihn in die urbane Variante des Nordseelebens verschlägt, hat Neil schon eine lange Reise hinter sich. Die Mutter Argentinierin, der Vater aus Deutschland, zieht man der Arbeit hinterher. Von Braunschweig, über die Pfalz nach Berlin, und dann irgendwann nach Hamburg. Vorbei an vielen Menschen, an Songs und immer mitten durchs Gewühl. Oft an Orte, wo man wirklich einfach nur mal irgendwas zum Musikmachen auspackt, um zusammen Lieder zu singen. Die erste Gitarre war von Papa - der spielt jetzt die alte Gitarre von Neil. Heute ist Hickethier neunundzwanzig und weiß mittlerweile genau, worum es in seinen Stücken geht und gehen soll. Er textet deutsch und seine Songs sind so einfach und so kompliziert wie das Leben. Das Leben, das einem manchmal Türen aufmacht, durch die man dann einfach nur durchzugehen braucht und das am nächsten Tag so dämlich ist, dass es die Karte verschlampt, die einen eigentlich nach Hause bringen sollte. Während der Rest der musizierenden Menschheit meint, den Rock’n’Roll täglich neu zu erfinden und dabei ernsthaft glaubt, frei von allen Schubladen zu sein, gibt sich Neil Hickethier realistisch. Die ersten drei der zwanzig Bands, die er als seine „Favourites“ bezeichnet, sind Lenny Kravitz, AC/DC und Curtis Mayfield. Und genauso klingt das auch! Viel Untenrum, schlau und mit Herz. „Lenny Kravitz war es in Interviews nie peinlich, wenn sie ihm vorwarfen, seine Gitarren klängen nach Jimi Hendrix. Er fand Hendrix war der Beste und es gab für ihn keinen Grund, nicht so wie der Beste klingen zu wollen. Ich habe meine ganze Jugend lang diesen Kram gehört. Meine Lieblingsplatte ist von Curtis Mayfield - ich bin eben kein Typ, der nur SO oder nur SO ist. Es wäre doch fast bescheuert, wenn man das alles meiner Musik nicht auch anhören würde.“ Bescheuert wäre das! Und schade wäre es obendrein. Denn was Neil da macht, erzählt von mehr Leben, als nur von seinem. Es erzählt vom Innendrin, von dem „von Gestern“, von Frauen und Jungs - am Ende von uns allen. Schön, wenn man nicht alleine ist! Und schön, wenn man dann auch noch gute Musik dabei hat.