Adam Green

Unter den wachsamen Augen des langjährigen Produzenten Dan Myers (Granddaddy, Rival Schools) hat Adam Green zum Jahresende 2005 sein neues Album „Jacket Full of Danger“ in den New Yorker Dumbo Studios aufgenommen. Unterstützt wurde Green von der Band, die ihn auch auf seinen letzten Tourneen begleitet hat, und Jane Scarpentoni, die bereits für „Friends Of Mine“ die Streicher arrangiert hat – Ergebnis ist eine Platte, die keine Wünsche offen lässt.

„Ich habe noch nie etwas Melodischeres gemacht“, so Green mit gebührendem Stolz. „Einige dieser Songs sind sehr groovy. Sie sind absolut tanzbar! Vielleicht werden sie sogar in Clubs gespielt.“

Neben den Streichern und Greens Band, die für eine herrliche instrumentale Grundlage sorgen – „sie sind so gut, dass sie alles umsetzen können, was ich mir ausdenke“ – zeichnet sich Jacket Full Of Danger durch Greens unverkennbaren Gesang aus. Es ist bemerkenswert, wie Green aus den Fertigkeiten und Erfahrungen schöpft, die er mit „Gemstones“ entwickeln konnte, ein Prozess, aus dem er  mit gereifter dunkler Stimme und als erfahrener Sänger hervorgegangen ist.

„Jetzt kommt einfach zum Vorschein, was ohnehin schon am Wachsen war“, so Green, der auf Stücken wie „Nat King Cole“ und „Novotel“ klingt, als sei er von bösen Voodoo-Geistern besessen. „Ich habe in meinem Innersten einen tieferen Sound entdeckt. Keine Ahnung, ob das macho ist oder so, aber mir hat es schon immer gefallen, wenn es an die tiefen Noten ging, so wie bei Paul Robeson oder auch Julian Casablancas, da jagt mir manchmal ein richtiger Schauer über den Rücken.“

Green singt so direkt und im wahrsten Sinne des Wortes Ton angebend wie nie, und so schöpft Jacket Full Of Danger das ganze musikalische Spektrum aus, das er sich erdacht hat. „White Women“ nimmt sich ein Beispiel an Led Zeppelins hartem, hypnotisierendem Kern. Die pulsierende Bassline auf „Vultures“ könnte direkt aus besten Motown-Tagen stammen und „Nat King Cole“ macht Buddy Holly Konkurrenz um den letzten Tanz mit Peggy Sue. Das von Beat Happening gecoverte „Cast A Shadow“ ist ein sonnendurchflutetes Juwel und „Drugs“ eine wunderbare Mischung aus Sarkasmus und tiefem Pathos, während „Novotel“ ein echter Höhepunkt ist – das meint jedenfalls Little Richard, der Architekt des Rock’n’Roll.

„Gleich als es anfing, sagte er, er hätte so etwas noch nie gehört“, erinnert sich Green an seine Zufallsbegegnung mit der Rocklegende. „Ich finde es hat etwas von Destiny's Child, wegen seines R&B Rhythmus, aber es hat auch meine Art von tiefen, leisen Tönen. Little Richard fand es cool. Er hat gesagt es klingt richtig natürlich.“  

Green, der bei jedem Song stilistische Grenzen überwindet, sorgt höchstpersönlich dafür, dass Jacket Full Of Danger ein stimmiges und vollendetes Ganzes ergibt.

„Alle meine Platten sind mit der jeweiligen Phase verbunden, in der ich sie schreibe, denn in meinem Leben geschehen immer gewisse Dinge“, erklärt Green, und fügt hinzu, dass die Geschehnisse in der Entstehungsphase dieses Albums, sogar an seinen eigenen Maßstäben gemessen, extrem waren. „Dieses Jahr war vollkommen surreal für mich.“

In den vergangen 12 Monaten hat Green einen um 24 Jahre jüngeren kleinen Bruder – Henry – bekommen, musste mit dem Tod eines guten Freundes zurechtkommen, einen Dokumentarfilmer ertragen, der sich zum Stalker entwickelt hat (nein, nicht Max Carlish) und arbeitete sogar eine Weile bei Starbucks, während er bei seinem älteren Bruder im ländlichen Norden New Yorks zu Gast war.

„Ich brauchte einen geregelten Tagesablauf, als ich dabei war, diese Platte fertig zu schreiben“, berichtet Green aus seinen Tagen hinter der Kaffeetheke. „Ich dachte ich würde irgendwo arbeiten, lernen, wie man richtig guten Cappuccino macht, ein paar komische Leute kennen lernen und die Inspiration bekommen, diese Sache zum Abschluss zu bringen – man hat mich gefeuert.“

Greens Arbeit speist sich aus seinem Leben, aber wir haben es hier mit einem Singer/Songwriter zu tun, der nach dem gewissen Etwas sucht, das den kleinen Unterschied ausmacht – ein Songwriter, der gerade sein bisher bestes Album fertig gestellt hat und schon danach Ausschau hält, wie er sich weiter entwickeln kann. „Sly Stone kann mit Musik alles machen“, sagt Green mit großer Bestimmtheit. „So möchte ich auch sein, und ich bin nah dran, die meisten Dinge tun zu können, die ich will. Diese neue Platte ist die gelungenste Arbeit, die ich bisher gemacht habe“, so Green, bevor er in seiner typisch trockenen Art hinzufügt „deshalb bekomme ich hoffentlich eine goldene Trophäe für die beste jemals erbrachte Leistung“.

Paul Stokes
Shepherd's Bush, Januar 2006





Album - Jacket Full Of Danger
VÖ-jahr: 2006
Single - NAT KING COLE
VÖ-jahr: 24.02.2006