CirKus sind:
Karmil – DJ, Programmer & Gitarrist
Burt Ford (aka Boogabear aka Cameron McVey) – Sänger, Programmer & Bassist
Lolita Moon - Sängerin & Keyboarderin
Neneh Cherry – Sängerin
Zur Zeit leben und arbeiten cirKus in Stockholm/ Schweden und haben dort auch gerade ihr Debüt Album “Laylow” fertig gestellt, dessen Veröffentlichung auf dem bandeigenen Label “Tent Music” unmittelbar bevorsteht.
cirKus scheinen permanent von Surren und Brummen umgeben zu sein, Computer, Drum Machines, Gitarren… das ist das Szenario in ihrem Studio-und Aufnahmeraum in der 8. Etage eines großen, grauen Fabrikgebäudes mitten im Nirgendwo eines deprimierenden Industriegebietes im Süden Stockholms. Das hat nichts mit dem Glamour des Musik Business zu tun, das ist einfach nur ein Platz zum Arbeiten, eine Bude, oder “ein Ort, der mich und Burt manchmal bei gesundem Verstand hält”, sagt Karmil.
Karmil hat den Großteil seiner Kindheit und Jugend in den eigenen vier Wänden verbringen müssen, da er nach einer schweren Virusinfektion sehr lange am Müdigkeitssyndrom gelitten hat. Seine Arbeit als DJ, auf seiner Gitarre zu spielen, eigene Beats zu basteln oder im Internet zu surfen, das wurde sein Way of Life - bis zu dem Tag als Burt und seine Familie ihm geholfen haben, da raus zu kommen. Aber an seiner musikalischen Arbeit hat das nichts geändert, “ich kann nicht lange vom Studio weg bleiben”, sagt Karmil fast entschuldigend.
Die beiden cirKus Gründer Karmil und Ford haben sich das erste Mal in Ford`s Tonstudio im Norden Londons getroffen, in dem Karmil einen Assitenzjob als Toningenieur ergattert hatte. “Ich war so aufgeregt, dort zu arbeiten, ich hatte das Gefühl, etwas erreicht zu haben, wonach ich lange gesucht hatte. Da war eine bestimmte Magie, ich wollte meine Augen offen halten, um alles nur Mögliche zu lernen, von diesen sehr talentierten Leuten, die dort täglich ihre Arbeit gemacht haben”, ergänzt er begeistert. Während dieser Zeit hört Karmil einige verrückt klingende Gesangsaufnahmen der Gruppe Virgin Souls. Er glaubt, es sei die Stimme einer Frau, nur bearbeitet, um am Ende von James Dring, dem Gorillaz’ Toningenieur, der zu der Zeit auch für Ford gearbeitet hat, zu erfahren, dass es Ford`s natürtliche Stimme war.
"Burt's Stimme bewirkte bei mir zum ersten Mal, mit Songs und Sängern arbeiten zu wollen. Bis zu diesem Zeitpunkt war ich nur an instrumentaler Musik interessiert.” sagt Karmil.
Burt Ford wechselte von seiner erfolgreichen Karriere als Fotograf zur Musik, nachdem er ein Drehbuch für einen Jeans Werbefilm geschrieben hatte. Das Budget für den Film, der unter seiner Regie für eine fragwürdige Beiruter Firma entstand, ließ keine Reserven für Musik übrig. Da er selber aber keine Änderungen an seinem Drehbuch zulassen wollte, entschied er, sich in das Londoner Studio des Konzertagenten Paul Caplin einzumieten, um dort selber die Musik zu schreiben und aufzunehmen, ohne jemals zuvor auch nur eine Note selbst geschrieben, geschweige denn gespielt zu haben.
Caplin war jedoch von dem Ergebnis so beeindruckt, dass er Ford einen Vertrag anbot “und von da an war ich Feuer und Flamme, nur noch Musik zu machen… für den Rest meines Lebens!” sagt Ford, der später auch eines der drei Gründungsmitglieder der Londoner Kreativ-Mafia Buffalo wurde. Ford produzierte auch seine Frau Neneh Cherry, mit der er auch zusammen Songs schrieb (wie u.a. ihr Duett "7 Seconds" mit Youssou N´Dour und ihren ersten Solo Hit "Buffalo Stance"). Weiterhin produzierte er auch Massive Attack's legendäres Album "Blue Lines" und leitet die Cherry Bear Organisation, die u.a. Künstler wie Cherry, Massive Attack, Portishead und Tricky in ihren Karrieren unterstützt. Ford wurde ein sehr gefragter Songwriter und Produzent, aber es sind nicht die Hits oder das Geld, das die Uhr in Ford ticken lässt, seine Musik, real Music, das ist genau das, was er
fast zufällig in seinem eigenen Haus Anfang 2004 entdeckte. Karmil belegte zu der Zeit ein Schlafzimmer im Hause Cherry/Ford in Camden Town in London, er musste sich von den Folgen seines erhöhten Gebrauchs von in Hydrokultur angebauten Marihuanas erholen, das er sich wegen seiner Krankheit zur Selbstmedikation verabreicht hatte. Wenn er spät abends von seiner Produktionsarbeit nach Hause kam, schaute Ford noch mal in seinem kleinen Zimmer rein, da er Karmil's Musik hörte. Ford musste praktisch automatisch Songs schreiben, wenn er etwas gehört hatte. Oft arbeitete er die ganze Nacht mit Karmil, selbst nach einem langen Tag voller Auftragsarbeiten, um seine Rechnungen zu bezahlen; und der nächste Tag ließ auch nicht lange auf sich warten.
Zu dieser Zeit schaute Lolita Moon auch fast jede Nacht bei Karmil vorbei und wurde kurzerhand gebeten, ihre zart gewebten Stimmlagen zu Ford`s eigener wahnsinnig und schottrig klingenden Stimme hinzuzufügen. Und schon bald darauf fand sich das Trio in Ford und Cherry's südschwedischem “Refugium” wieder, eine heruntergekommene Hütte in einer sehr entlegenen Gegend – mitten auf dem Land. Ford und Moon hatten Karmil auf Anraten von Ford's Arzt zur weiteren Genesung dort hingeschleppt. “ Wir waren definitiv auf der Flucht”, sagt Ford, "ich vor der britischen Plattenindustrie, Karmil vor seinem Spliff Konsum und Lola vor der Schule. Neneh war nicht so überzeugt davon, London zu verlassen, aber wir wickelten sie ein, da unser erster Stop das Familien Refugium war, in dem sie ihre halbe Kindheit verbracht hatte, es ist wahrscheinlich ihr Lieblingsplatz auf der ganzen Welt.”
Ford und Karmil bauten ihr erstes gemeinsames “richtiges” Studio im Loft des Landhauses von Cherry und Ford und setzten zur Veredelung ihrer in London begonnenen Arbeit an ihrem Album an. Offensichtlich gefiel Cherry, was sie hörte, denn schon sehr bald begann auch sie, für cirKus zu schreiben und zu singen.
"Irgendwie war es ein schönes Gefühl, sich wieder als Teil einer Band zu sehen. Ich habe meine musikalische Reise in New York begonnen, habe Bass in Punk Bands gespielt und schließlich angefangen zu singen, mit The Slits und dann Rip Rig & Panic und Float Up CP, so war es dann fast eine Reise zurück zu meinen musikalischen Wurzeln. Sogar örtlich, wir kehrten zurück nach Schweden!” sagt Cherry. Ganz bewusst hatte sie sich für einige Jahre aus dem Rampenlicht zurückgezogen. “Ich musste mich von dem ganzen Bullshit erholen, der durch meine Bekanntheit verursacht wurde und etwas von der Zeit zurück bekommen, die wir als Familie verloren hatten, als ich “on the road” war oder Promotion machen musste. Zu cirKus sagt sie: “Irgendwie hat es mich aber auch gejuckt, wieder Musik zu machen, aber ich wollte nicht wieder zu 'Miss Neneh Cherry' the 'singing earth mother' und 'leftfield pop bint' werden, somit fühlte sich cirKus einfach nur gut an... ein cooler Weg, gelassen ins Musikleben zurück zu kehren.”
Die ganze cirKus Crew zog inklusive Anhang nach Stockholm um, damit die
Cherry/Ford Kids zur Schule gehen konnten und um das Tent Music Recording Studio samt Label Office aufzubauen. "Wir hatten zu viele Vans geladen, waren schon zu viele Meilen gefahren, um dieses Album zu machen. Wir hatten einen langen Weg zurück gelegt”, sagt Ford ohne sich weiter herauszuwagen, mit dem, was er wirklich meint. Dieses dunkle, Beat beeinflusste Album, co-produziert von Karmil und Ford, ist ein natürlicher, aber gigantischer Schritt im Vergleich zu Fords vorherigen Arbeiten, und dieses Mal war es Ford selbst, der die Lead Vocals beigesteuert hat. “Ich habe quasi für jeden Künstler, den ich produziert oder für den ich geschrieben habe, Backing Vocals eingesungen. Es war also nicht so schwer für mich, Lead Vocals zu singen”, so Ford. "Matt (Karmil) ist genauso mürrisch wie ich, wir hatten also nie wirklich Probleme, Themen für die Songs zu finden. Und seine Beats machen es einem auch nicht gerade schwer, einen Song darüber zu schreiben. Wir teilen ein gemeinsames Verständnis über den Zustand der Menschen, was das Singen zu einem wunderbar therapeutischen Erlebnis macht, besonders wegen des Wechselspiels der drei Stimmen. Ich konnte mich zurück legen und mich ab und zu von den Mädels dazu holen lassen. Eine Stimme wie meine braucht verdammt viel Platz. Das Album hat eine sehr schöne Balance bekommen, wir hatten Lola, die manche Stelle “versüßt” hat oder auch durch ihre coole Lead Stimme geprägt hat und Neneh, die ihr Ding gemacht hat.”
LoLita (Lola) Moon hat ihr ganzes Leben gesungen, als Kind und als Jugendliche. Moon geht noch neben der Musik zur Schule, um sich auf die Universität vorzubereiten. “Ich beginne eigentliche jeden Schultag mit Singen. Die ganze harte Arbeit, die wir zu tun haben, ertrage ich, wenn ich zuerst etwas singen kann”, sagt Moon.
Karmil, der wirklich nicht leicht zu beeindrucken ist, ist fast ehrfürchtig vor den musikalischen Beiträgen des Teenagers. "Lola war verblüffend, denn vieles von dem, was sie zu singen hatte, war super tricky und ein Sänger ihres Alters muss nicht unbedingt in der Lage sein, diese Menge an musikalischer oder emotionaler Komplexität zu verarbeiten. Sie muss definitiv schon mal vorher hier gewesen sein, in ihrem letzten Leben, und sie war eine Sängerin!”
Die ganze Gruppe scheint sehr gelassen mit den großen Altersunterschieden der Mitglieder umzugehen. Ford erwähnt die Vorzüge daraus, für verschiedene Gruppen, aber auch zu verschiedenen Gruppen, in ihrem eigenen Style, zu sprechen. Aber er nennt auch einen Punkt, der allen klar und wichtig war: sich über die Regeln des Musik Business im Klaren zu sein.
"Wir alle machen das hier wegen der Musik und haben kein Interesse an dem Mist, der mit dem Musik Business verknüpft ist. Deshalb haben wir unser eigenes Label, wir sind selber rumgereist, um geeignete Indie Vertriebe zu finden, bei denen der Vibe stimmt, mit coolen Künstlern und dem Enthusiasmus für real Music, nicht nur für Verkäufe, Geld und Hits.”
Wenn man zum ersten Mal "Laylow" anhört, fühlt man sich fast erschöpft auf Grund der emotionalen Heftigkeit. Sie entsteht aus einer Kombination aus
Ford's aufschwellender Stimme und den Rasiermesser-scharfen Lyrics, die manchmal untermauernden und dann wieder nur umspielenden Charakter haben. Durch Karmil's vielschichtige musikalische Orchestrierung und seine Audio Tricks kommen sie anscheinend von allen Seiten auf einen zu,.
"Als wir in London gearbeitet haben, war das wie Arbeiten an "Sergeant Pepper". Wir hatten nicht viel Equipment, da es auch nicht in den Raum gepasst hätte. Wir waren einfach nur high”, sagt Karmil in einem Versuch die verschiedenen Arbeitsprozesse zu erklären. "Der südschwedische Part war etwas mehr fokusiert. Ich war ausgetrocknet vom Ganja und Burt fühlte große Erleichterung, da er dem Musik Business entkommen war. Die Lyrics und Melodien flossen nur so aus ihm heraus, wenn er den Raum betrat. Für ihn war immer eine Mikrophon parat und geradezu jede Vocalaufnahme von ihm ist ein First oder Second Take. Das gleiche gilt für meine Gitarre, wir waren einfach nur erfüllt von Musik, da gab es keine Ablenkung. Na ja, abgesehen von Neneh’s großartigen Kochkünsten.”
Das Album wurde abschließend in den Cosmos Studios in Stockholm und bei Nacksving in Gothenburg gemischt, wogegen das Mastering bei Masters Of Audio, auch in Stockholm, gemacht wurde. Im Gegensatz zu Burt, der am liebsten von allen konventionellen Studios fern geblieben wäre, war Karmil für diese Erfahrungen offen.
"Ich hatte zuvor nie wirklich die Chance, außerhalb meines Schlafzimmers zu arbeiten. Jetzt hatte ich Zugang zu großen, richtig guten Lautsprechern, einem Neve Desk und da war keiner, der gesagt hat, wir sollen die Lautstärke runter drehen!” sagt Karmil mit einem verschmitzten Lächeln.
Ich weiß, dass schon über viele Alben und Künstler gesagt wurde, ihre Musik entsage sich jeder Kategorisierung. Es wäre für mich ein leichtes, dieses Album und den Sound von cirKus mit Gruppen wie Massive Attack, Kruder & Dorfmeister, Portishead, Air, Tricky, REM, Sigur Ros oder Radiohead zu vergleichen (und ich kann ein bißchen von jedem in cirKus wiederfinden). Aber ich kann hier einfach nicht den einfachen Weg wählen. Zugegeben, Fans der oben genannten Giganten werden cirKus sowieso ganz schnell für sich entdecken. Vielleicht ist Cherry nicht nur nette Namenszierde auf diesem Album, vielleicht ist Moon nicht nur die Süße für Ford’s bittere Pille, vielleicht, nur vielleicht, kratzen Karmil und Ford nur an der musikalischen Oberfläche, vielleicht sind sie wirklich an was dran, vielleicht ist dies nicht nur ein weiteres, nettes “klingt wie Massive Attack”, “Dinner Party Background Musik” Album, vielleicht müssen wir zurück gehen und unseren ersten Pink Floyd Gedanken wiederbeleben, vielleicht lasse ich die Katze einfach aus dem Sack, vielleicht – wenn wir ihnen den Raum geben – dann sind cirKus vielleicht the real thing…Vielleicht?

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Album: LayLow VÖ-jahr: 2006 |
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Single: Is what is is VÖ-jahr: 2006 |

